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Archiv: Mittwoch, 24. September 2003

Geruchs-Welten

Sobald wir atmen, nehmen wir Gerüche wahr. Wir können uns dem Duft nicht entziehen, unser Geruchssinn verbindet uns mit der Außenwelt. Unser Überleben hängt nicht von ihm ab, aber er informiert uns auf Distanz. Alles riecht irgendwie, trägt Nachrichten über Hygiene, Sauberkeit, Familienzugehörigkeit oder bestimmte Orte in sich. Abstoßend oder anziehend, Gerüche haben Botschaften und Bilder: Mehr als 10.000 verschiedene Düfte können wir registrieren und nach einem komplexen Muster in unserem Gehirn verarbeiten. Sie alle sind in der Lage, Erinnerungen zu wecken und Gefühle zu stimulieren.

Gerüche gehen direkt in unser Gehirn, im limbischen System werden sie verarbeitet und gespeichert. Dufterinnerungen sind im langfristigen Gedächtnis auf Abruf gelagert, eine Erfahrung, die uns immer wieder überrascht. Plötzlich sind sie da, Bilder und Erlebnisse, die wir mit einem bestimmten Duft verbinden.

Von Anfang an
Ein ganz besonderer Duft berührt uns alle - der von Babys. Ihn zu beschreiben ist schwer, eine Mischung aus Milch und Honig, wie Vanille und süße Mandeln. Weich, warm, zart und pudrig - nichts wird dem ersten eigenständigen Duft wirklich gerecht und doch ist er uns sofort präsent. Jean-Baptiste Grenouille, der Mörder aus Patrick Süskinds “Das Parfum”, kommt als Kind ohne Geruch zur Welt, das ist sein Fluch!

Kindheit ohne Geruch, heutzutage ist das unvorstellbar. Wir riechen wie unsere Familienangehörigen und wie das Land, in dem wir geboren wurden: “Englische und italienische Eltern hüllen ihre Babys in die wohlriechenden Wolken von Babypuder - blumig, süß und schwach an Chanel Nr. 5 erinnernd. Spanische und französische Babys riechen andererseits nach Eau de Cologne und Orangenblüte, nach denen die entsprechenden Baby-Pflege-Marken duften,” für Frank Rittler , Senior Parfumeur beim Henkel Fragrance Center haben Nationen mehr als ihre eigene Sprache, sie haben auch eigene olfaktorische Präferenzen und Abneigungen.

Erfahrungs-(Duft)-Schatz
Wir mögen Düfte, die uns bekannt sind, das ist nicht angeboren. Von klein auf sammeln wir Dufterfahrungen. Mit zunehmendem Alter können wir dann für uns persönlich gut unterscheiden, was wir als angenehm oder unangenehm empfinden, doch es hängt besonders mit unserem kulturellen und sozialen Umfeld zusammen. In Mittelmeerländern sind Düfte erfolgreich, die Lavendel, Rosmarin, Basilikum und Thymian enthalten. Kräuter, die in der dortigen Küche häufig verwendet werden. Der Geruch von getrocknetem Fisch wird von Japanern als angenehm empfunden, Deutschen sagt dieser weniger zu.

Obwohl die Dufterfahrung mit dem Alter zunimmt, wird der Geruchsinn immer schlechter. Schon mit 40 Jahren lässt er spürbar nach. Ähnlich geht es den Rauchern, auch sie können nicht so gut riechen. In Bezug auf die Geschlechter schneiden die Frauen deutlich besser ab, sie haben die feineren Nasen.

Duft-Geschichten
Über das Verbrennen duftender Substanzen nahmen die antiken Zivilisationen in Griechenland und Ägypten Kontakt zu ihren Göttern auf. Sie glaubten, über den aufsteigenden Rauch mit den Göttern zu sprechen. Das lateinische Per fumum - durch den Rauch - gilt als Ursprung des Wortes Parfum. Den Siegeszug des Wohlgeruchs bis in die Neuzeit ebnete vor allem die Erfindung der Destillation durch Araber und Perser etwa 900 n. Chr. Mit den Kreuzzügen hielt diese Technik auch ins westliche Europa Einzug. Um jederzeit an die begehrten Duftstoffe zu kommen, wurden schon im 12. Jahrhundert die ersten Parfumpflanzen in Grasse, Frankreich, angepflanzt.

Als im Mittelalter Seuchen und Epidemien um sich greifen, setzt sich die Vermutung durch, dass schlechter Geruch die tödlichen Ansteckungsstoffe enthält. Aus Angst, dass Wasser die Poren dafür frei macht, waschen sich die Menschen nicht mehr häufig: Puder und Parfum überdecken allzu strengen Körpergeruch und sollen Schutz vor Krankheiten bieten. Einzug hält ein neuer Hygienebegriff erst im 19. Jahrhundert - mit der Kanalisation verschwindet der Gestank unter die Erde und frische Düfte werden Symbol für den sozialen Status.

Duft-Welten
Bis heute spielen Gerüche eine große Rolle, sie symbolisieren Sauberkeit und Hygiene. Doch wie riecht Sauberkeit? In jedem Land lässt sich diese Frage anders beantworten. Frank Rittler, Senior Parfumeur im Henkel Fragrance Center: “In Norwegen und Portugal riechen Haushaltsreiniger nach Fichte, in Deutschland und Österreich nach Zitrone und Orange. Im Süden, z.B. in Frankreich, ist Frische dagegen mit dem Duft von Lavendel verbunden. Gleichzeitig spielt Chlor in Spanien und Italien eine große Rolle, um Sauberkeit zu verdeutlichen. Das extremste Beispiel ist Afrika, dort haben die Seifen einen sehr chemischen, ledrigen Geruch, jedenfalls für europäische Nasen - für die Afrikaner ist es der Inbegriff der Frische schlechthin.”

Ein und derselbe Geruch kann an verschiedenen Orten auf der Welt durchaus unterschiedlich riechen. Klima und Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Duftentfaltung. Für Parfumeure wie Frank Rittler kein Problem: Sie betreiben Konsumforschung und wissen genau, welche Dufterlebnisse die Verbraucher in den verschiedenen Nationen wünschen. “In den USA riecht Wäsche nach Moschus und Vanille, das wäre bei uns undenkbar.” Aktuell im Trend: “Die Tendenz geht zu naturnahen, aber komplexeren Düften wie z. B. ,Frische Brise’ von Der General”, sagt Rittler, denn der Konsument sei anspruchsvoller geworden. “Neben den frischen Duftvarianten sind auch südlich-mediterrane Duftnuancen, die an Urlaub erinnern, beliebt, z.B. Der General ,Mediterrane Frische’ bzw. saisonale Varianten. Auch in der Duftwelt gibt es so tatsächlich Modeerscheinungen.”

Dass Verbraucher ein Produkt häufig nach dem Duft aussuchen, wundert den Experten des Henkel Fragrance Centers nicht. Insgesamt wünschen sich Verbraucher verstärkt beim Putzen, Spülen oder Waschen ein Dufterlebnis. “Düfte können ein wahres Feuerwerk von Gefühlen auslösen, deshalb sind sie für unsere Produkte auch so wichtig!”

Quelle: Henkel.de

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