Schön wie ein Model und begehrt wie ein Star.
Allgegenwärtige Vorbilder setzen Maßstäbe. Die umfassende Präsenz ihrer Attraktivität zeigt Wirkung: Im Vergleich mit der überdurchschnittlichen Anziehungskraft der “Ausnahmeerscheinungen” können Normalsterbliche kaum mithalten. Die Frage, was eigentlich schön ist, ist ein absoluter Dauerbrenner. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich auch die wissenschaftliche Forschung mit diesem Gegenstand. Psychologen, Ethologen und Soziologen versuchen, die Gesetzmäßigkeiten und objektiven Kriterien von Schönheit auszuloten. Und sind dabei, das Geheimnis Attraktivität Schritt für Schritt zu entschlüsseln.
Verschwenderisch füllige Haare wie Julia Roberts, ein Lächeln wie Jennifer Lopez, eine Figur wie Britney Spears und ausdrucksvolle Augen wie Kylie Minogue: Gutes Aussehen wird an den Vorzeige-Beauties gemessen. Ob die Schönheit echt ist oder gemacht, spielt eine eher untergeordnete Rolle - Hauptsache die Verschönerungsmaßnahmen sind nicht zu aufdringlich oder unnatürlich. Solange das Erscheinungsbild einen eigenständigen Ausdruck bewahrt und nicht künstlich wirkt, ist es sogar von Vorteil, sich bewusst zu stylen und der eigenen Ausstrahlung auf die Sprünge zu helfen. Egal in welcher Situation und bei wem man gut ankommen möchte.
Perfektes Zusammenspiel von Natürlichkeit und Attraktivität
Über 93 Prozent der Deutschen wünschen sich nicht nur einen natürlich sondern auch einen gepflegt aussehenden Partner. Was auf den ersten Blick beinahe wie ein Widerspruch anmutet, liegt an den unterschiedlichen Bedeutungsebenen des Begriffes “natürlich”. Im Zusammenhang mit einem ansprechenden Äußeren heißt natürlich nicht naturbelassen und ursprünglich, sondern steht für ungekünstelt. Schon seit der Antike suchte der Mensch nach Mitteln, die Natur zu übertreffen und kleine Unzulänglichkeiten auszugleichen. Besonders die eigene Erscheinung wurde nicht dem Zufall überlassen. Das hat sich bis heute nicht geändert: Sich schön machen, heißt seine naturgegebenen Züge betonen beziehungsweise vervollkommnen. Doch nicht ohne Grund wirkt im Alltag oft das Schlichte, Ausgewogene besonders schön und wird als wohltuender Kontrast zu Drama und aufwändiger Inszenierung empfunden - ganz gleich ob bei Mode, Haarstyling, Make-up oder persönlichem Gebaren. Ob schön oder nicht, ist also eine Frage des richtigen Maßes: nicht zu wenig, aber auch nicht übertrieben, je nach Anlass. Welche Frau schminkt sich schon extra, um zum Briefkasten zu gehen? Und wer erschiene andererseits nicht sorgfältig gestylt zum Vorstellungsgespräch oder Rendezvous? Ab und zu darf da auch ein bisschen professionelle Unterstützung sein: Persönliche Stilberater haben Hochkonjunktur. Sie geben wertvolle Tipps, die eigenen Vorzüge optimal zur Geltung zu bringen.
Drei Komponenten des Schönheitsempfindens
Die wenigsten Frauen können optisch mit einer Diva konkurrieren, und manche von Ihnen mag sich vom bunten Rummel um körperliche Schönheit ein wenig unter Druck gesetzt fühlen. Aber zur Resignation besteht kein Grund: Das perfekte Aussehen gibt es nämlich nicht. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich aus den schönsten Zutaten allein noch keine attraktive Über-Frau konstruieren lässt. So ergab die Kombination aus Naomi Campbells Nase, Debbie Harrys Mund, Sandra Bullocks Kinn und Merkmalen anderer Beauties keineswegs das ideale Gesicht. Auch Versuche, verbindliche, Kultur übergreifende Standards auszumachen, verliefen ergebnislos. Tatsächlich wird das menschliche Schönheitsempfinden von drei wesentlichen Faktoren bestimmt, wie der Sozialpsychologe Prof. Dr. Manfred Hassebrauck in seiner langjährigen Arbeit festgestellt hat: Vom persönlichen Geschmack, vom Aussehen des Beurteilers und vom objektiv Schönen. Die beiden ersten Komponenten sind individueller Natur, letztere ist allgemein gültig und lässt sich mit Hilfe von Attraktivitätstests ermitteln.
Attraktivität wird in Sekundenbruchteilen taxiert
Ein kurzer Blick genügt: Der erste Check, ob man jemanden attraktiv findet, dauert gerade einmal 100 Millisekunden. Zwar ist physische Anziehungskraft nicht alles, was über Sympathie und Antipathie entscheidet, doch gibt der erste Eindruck die Tendenz vor für jede weitere Einschätzung eines Menschen. Die äußerlichen Merkmale werden blitzschnell abgetastet und unwillkürlich klassifiziert. Beim näheren Kennenlernen werden die Urteile überprüft. Gutes Aussehen öffnet Türen. Ob in der Schule, im Beruf, bei der Partnerwahl oder sogar vor
Gericht, überall genießen schöne Menschen Vorteile gegenüber weniger attraktiven, auch wenn die Bevorzugung zumeist nicht bewusst geschieht.
Bereits früh werden gewisse
Schönheitsstereotype erlernt: Wer schön ist, ist auch gut. Das ist im Märchen so und in Hollywood-Filmen. Attraktiven Menschen werden daneben eine ganze Reihe weiterer positiver Eigenschaften zugeschrieben. Man hält sie für intelligent, sexy, ausgeglichen, selbstsicher und offen. Andererseits gelten sie als eitel, arrogant und unbescheiden. Verblüffenderweise hat sich in Experimenten gezeigt, dass sich Personen im Positiven wie im Negativen meist ganz erwartungsgemäß verhalten. Und dass sich die zugeschriebenen Eigenschaften dadurch weiter verstärken.
Kriterien für Schönheit entstammen der Urzeit des Menschen
Die Partnerwahl orientiert sich noch heute an den ursprünglichen Auslesegesetzen in der menschlichen Entwicklungsgeschichte, obwohl die damit einhergehenden Vorteile für den Menschen im 21. Jahrhundert kaum mehr relevant sind. Doch was sich an Schönheitsempfinden für die Evolution als sinnvoll erwiesen hat, ist psychologisch weitgehend noch immer wirksam. Zu Urzeiten war es überlebenswichtig, nach äußerlichen Anhaltspunkten für einen geeigneten Partner zu suchen, um einen maximalen Fortpflanzungserfolg zu erzielen. Männer bevorzugten aus diesem Grund Frauen, die gesund und jung, gleichzeitig aber schon sexuell reif erschienen. Für Frauen dagegen stand im Vordergrund, dass sich der potenzielle Partner fähig und bereit zeigte, sie und ihre Nachkommen zu ernähren und zu schützen. Sie fanden Merkmale attraktiv, die auf männliche Durchsetzungsfähigkeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, sich dauerhaft zu binden, hinwiesen. Diese Züge lassen sich jedoch nicht alle am Aussehen ablesen - weshalb Frauen im Vergleich zu Männern weniger nach den rein optischen Qualitäten entscheiden, wer für sie der Richtige ist.
Als Kennzeichen für Jugend werden bei Frauen verhältnismäßig große Augen, eine kleine Nase und ein schmales Kinn als attraktiv bewertet. Sexuelle Reife gibt sich durch hohe Wangenknochen, schmale Wangen und eine insgesamt eher ovale Gesichtsform zu erkennen. Sie zeigt sich jedoch nicht nur im Gesicht, sondern auch an der Figur: In einem Taille-zu-Hüfte-Verhältnis von etwa 0,7, was den typisch weiblichen Proportionen entspricht. Gesundheit schließlich kommt in physiognomischer Symmetrie zum Ausdruck, etwa in einer einheitlichen Augenhöhe. Aber auch ein klarer, reiner Teint und glänzendes, volles Haar sprechen für eine gesunde Konstitution und Vitalität. All diese weiblichen Attribute kommen bei Männern sehr gut an.
Kulturelle Einflüsse verändern den Blick
Weiß gepuderte Perücken oder Barfußläufer in der Innenstadt: Was sich aus der Menge abhebt fällt auf, ist aber nicht automatisch schön. Denn die positive Einstellung gegenüber etwas Abweichendem resultiert aus einer Art gesellschaftlicher Übereinkunft. Einem allgemeinen Empfinden fürs Angemessene: Das Urteil darüber, was in einer bestimmten Situation als passend wahrgenommen wird, ist von den kulturellen Konventionen abhängig. Das Inadäquate wird als unrichtig abgelehnt und negativ bewertet. Allonge-Perücken mögen zur Zeit des Sonnenkönigs angesagt gewesen sein, heute sind sie nur noch als Verkleidung tragbar.
Ergänzende Frisurteile erleben allerdings derzeit eine Renaissance. Der Wunsch nach mehr Volumen und ungewöhnlichen Effekten im Haar lässt Frau nicht nur zu pflegend formenden Stylinghelfern und Colorationen greifen, sondern auch zu künstlichen Haarfüllern, vorgefertigten Knoten und Zöpfen oder unkomplizierten farbigen Strähnen.
Nicht wenige Schönheitsideale sind einem kulturellen Wandel unterworfen. Was in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit als Zeichen des Wohlstands hoch im Kurs stand, wird in den westlichen Gesellschaften durch ein überreiches Verpflegungsangebot heutzutage wenig geschätzt: Körperfülle. Ein ähnliches Beispiel ist die Einstellung zu sonnengebräunter Haut. Vormals Hinweis auf hart und überwiegend im Freien arbeitende, eher arme Bevölkerungsschichten, verkörperte sie mit der aufkommenden Reisefreude seit Mitte des letzten Jahrhunderts als Urlaubssouvenir süßes Nichtstun - und wurde dadurch attraktiv. Weil inzwischen die schwerwiegenden Schäden durch übermäßigen Sonnenhunger immer mehr zutage treten, wird verstärkt wieder ein heller Teint als gesund und schön propagiert.
Schönheit subjektiv gesehen
Der Attraktivitätsforschung ist es gelungen, grundlegende objektive Bestandteile des Schönheitsempfindens nachzuweisen und zu benennen. Doch daneben bestimmen nach wie vor das Schönheitsniveau und der persönliche Geschmack des Betrachters das Urteil über schön oder weniger schön. Die subjektiven Komponenten machen laut Prof. Hassebrauck sogar zwei Drittel des Schönheitsempfindens aus. Attraktivität liegt zum Großteil im Auge des Betrachters. Und in der Einstellung zu sich selbst.
Wer sich als gut aussehend einschätzt, ist auch bei seinen Mitmenschen kritischer. Das gilt vor allem für Frauen. Denn sie erfahren schon früh, welchen großen Stellenwert das Aussehen hat und dass es zum weiblichen Selbstverständnis gehört, auf sich zu achten und sich um sein Äußeres intensiv zu kümmern. In der männlichen Erziehung dagegen wird
Schönheit weniger Bedeutung beigemessen. Männer sind bei der Beurteilung anderer daher insgesamt auch großzügiger und wohlwollender als Frauen.
Aus dem Konzert der “schönen Kräfte” ist ebenso der persönliche Geschmack nicht wegzudenken. Er bringt einerseits Individualität ins Spiel und zum anderen den Wunsch, positive äußere Merkmale zu akzentuieren und sich dem objektiv Schönen anzunähern. Spannende Entdeckungsreisen, deren Reiz man sich kaum entziehen kann: Die meisten Menschen experimentieren mit den Möglichkeiten ihres Äußeren, testen ihr Potenzial, nutzen Mode, Kosmetik, Haarstyling und Body-Shaping. Verändern sich optisch je nach Vorlieben und ganz nach Bedarf: dauerhaft oder flexibel, vorsichtig oder selbstbewusst, extravagant oder schlicht. Manchmal auch im fliegenden Wechsel. Denn ewig lockt das Schöne…
Quelle: Henkel